Als spezialisierte Fachberatung für die Energiewirtschaft unterstützt c.con Versorgungsunternehmen bei der Transformation hin zu einer klimaneutralen Zukunft. Wir unterstützen aber auch energieintensive Industrieunternehmen auf ihrem Weg in eine nachhaltige Produktion, so wie in diesem Projekt, in dem wir eine deutsche Gießerei bei der grundlegenden Transformation ihres Schmelzbetriebs unterstützen.
c.con begleitet derzeit eines der ambitioniertesten Transformationsprojekte der deutschen Gießereibranche und zeigt, wie strukturiertes Projektmanagement den Wandel zu einer nahezu CO₂-neutralen Produktion ermöglicht.
Eine Gießerei vor der größten Entscheidung ihrer Geschichte
Im Herzen eines traditionsreichen Industriestandorts betreibt seit Jahrzehnten eine der führenden Eisengießereien Deutschlands ihr Business. Hier entstehen hochwertige Gussteile für die Nutzfahrzeugindustrie, den Maschinenbau und den Agrarbereich. Was das Unternehmen jedoch mit jedem geschmolzenen Kilogramm Eisen bislang zwangsläufig mitproduziert: rund 30.000 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Der Grund liegt in der eingesetzten Technologie. Der sogenannte Heißwind-Kupolofen verbrennt Kokskohle und Erdgas, um Metall bei rund 1.550 Grad Celsius zu verflüssigen. Effizient, bewährt, aber fossiler Natur. Und damit auf einem Kollisionskurs mit den Klimazielen der Europäischen Union, den Anforderungen der Lieferketten und dem wachsenden Nachhaltigkeitsdruck der OEMs.
Die Frage, die sich die Geschäftsführung irgendwann stellen musste, lautete nicht mehr: Ob wir uns transformieren. Sondern: Wie.
Das Projekt: Ein Elektroschmelzbetrieb als Herzstück der Wende
Die Antwort ist ehrgeizig. Die Gießerei investiert rund 15 Millionen Euro in den vollständigen Umbau ihres Schmelzbetriebs: Der Kupolofen weicht einer dreiteiligen Elektroschmelzanlage auf Basis von Mittelfrequenz-Induktionsöfen. Geliefert und installiert von ABP Induction Systems GmbH aus Dortmund. Betrieben ausschließlich mit Grünstrom, soll die neue Anlage den CO₂-Ausstoß um mehr als 90 Prozent senken.
Das Bundeswirtschaftsministerium erkennt die Tragweite des Vorhabens: Im Rahmen des Förderprogramms „Dekarbonisierung in der Industrie“ stellt es gut 5,5 Millionen Euro bereit. Das Projekt trägt damit offiziell den Charakter eines Leuchtturmprojekts, denn bislang hat keine andere Großgießerei in Deutschland den Schmelzbetrieb vollständig auf einen Elektroofen umgestellt. In Deutschland sind noch rund 50 Kupolöfen in Betrieb, für die bis 2045 eine klimaneutrale Lösung gefunden sein muss.
Die Geschäftsführer der Gießerei bringen den Antrieb hinter der Entscheidung klar auf den Punkt: „Nachhaltigkeit ist eine Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig anpassen, riskieren, in einem zunehmend strengeren regulatorischen Umfeld mit höheren Kosten und Wettbewerbsnachteilen konfrontiert zu werden.“
Die Herausforderung: Transformation ohne Produktionsstillstand
So überzeugend die Vision, so komplex die Umsetzung. Ein laufender Gießereibetrieb lässt sich nicht einfach pausieren, während gleichzeitig eine völlig neue Technologie eingeführt wird. Die neuen Elektroschmelzöfen müssen nicht nur technisch einwandfrei funktionieren, sie müssen es von Tag eins an tun, in einem Umfeld, das keinen Spielraum für ausgedehnte Anlaufphasen lässt.
Hinzu kommen die bauliche Komplexität am bestehenden Standort, die Koordination zahlreicher Gewerke und Lieferanten sowie ein eng getakteter Zeitplan: Die Bauarbeiten sollen bis Mitte 2026 abgeschlossen sein. Die Lieferung der Anlagenkomponenten folgt im Herbst, die Montage bis Dezember. Und bereits in der dritten Kalenderwoche 2027 soll das erste Flüssigeisen aus den neuen Öfen fließen.
Für ein Projekt dieser Dimension, mit dieser Tragweite und diesem Zeithorizont, braucht es mehr als gute Technik. Es braucht strukturiertes, erfahrenes Projektmanagement.
Unsere Rolle: Struktur und Steuerung in einem komplexen Transformationsprojekt
Genau hier setzt die c.con an. Als Partner im Projektmanagement begleiten wir die Gießerei bei der Steuerung dieses vielschichtigen Vorhabens, von der Projektinitiierung bis hin zur laufenden Umsetzungskontrolle.
Unsere konkreten Leistungen:
- Eigenverantwortliche Übernahme aller administrativen Aufgaben im Projekt
- Koordination der beteiligten Stakeholder (Fördergebende, Techniklieferant ABP, Behörden, interne Teams)
- Risikomanagement und Projektorganisation, inklusive Erstellung und Fortschrittstracking von Projektplänen im laufenden Betrieb
- Schnittstellenmanagement zwischen Bau, Montage und Produktion
- Projektkostenverfolgung einschließlich Mittelabflussplan
- Kontinuierliches Reporting an die Geschäftsführung und Dokumentation des Projektverlaufs
- Berichterstattung gegenüber dem Fördermittelgeber (BMWK/KEI)
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Ineinandergreifen der verschiedenen Projektphasen: Bauvorbereitung, Anlagenlieferung, Montage und Inbetriebnahme müssen aufeinander abgestimmt sein. Ein Verzug in einem Bereich kann die gesamte Anlaufplanung gefährden.
Ausblick: Ein Modell für die gesamte Branche
Was bei der Gießerei momentan entsteht, hat Strahlkraft weit über das Werksgelände hinaus. Wenn das Unternehmen den Beweis erbringt, dass eine große Eisengießerei ihren gesamten Schmelzbetrieb auf Elektroinduktion umstellen kann und dabei sowohl die Produktqualität als auch die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit wahrt, dann verändert das die Optionen für eine ganze Branche. Rund 50 Kupolöfen laufen noch in Deutschland. Für alle wird bis 2045 eine klimaneutrale Lösung gesucht. Das Projekt kann zeigen, wie diese aussehen könnte.
Für uns als c.con ist dieses Engagement Ausdruck unseres Verständnisses von Beratung: Wir begleiten unsere Kunden nicht nur in den komfortablen Phasen des Wachstums, sondern gerade dann, wenn die Transformation am anspruchsvollsten ist. Denn genau dort entscheidet sich, welche Unternehmen die Zukunft ihrer Industrie mitgestalten.
Sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen oder möchten sich zu Transformationsprojekten in der Industrie austauschen? Sprechen Sie uns gerne an. Thilo Hett steht Ihnen für Fragen und den fachlichen Austausch gerne zur Verfügung.

